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Besuch von Charlotte Knobloch am 24.02.08
Auf Einladung der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg und des E.T.A. Hoffmann-Theaters besuchte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, am 24. Februar Bamberg. Abschließend trug sie sich bei einem Festakt im Rokokosaal des Alten Rathauses Bamberg (in der Flussmitte zwischen Stadt und Domberg) in das Goldene Buch der Stadt ein.
Anlass des Besuches war eine Lesung von Theaterschauspielern des E.T.A. Hoffmann-Theaters, die an der aktuellen und viel beachteten Aufführung des Stückes „Heldensabbat“ von Will Berthold beteiligt sind.
Inhalt der Lesung im großen Saal des Gemeindezentrums war das Protokoll einer Sitzung zur „Judenfrage“ unter Vorsitz von Hermann Göring am 12. November 1938 - drei Tage nach der Reichspogromnacht mit mehr als 400 jüdischen Toten, 101 niedergebrannten und 76 demolierten Synagogen sowie 7500 zerstörten jüdischen Läden, Wohnungen und Gemeindehäusern. Die Sitzungsgespräche liegen bis heute im Original vor und dokumentieren den vollständigen gesellschaftlichen Ausschluss jüdischer Bürger.
Der eiskalte Bürokratismus, mit dem die Ausgrenzung, die durch nationalsozialistische Gesetze legitimierte Bereicherung an jüdischem Vermögen und die gezielte Ermordung der jüdischen Bevölkerung darin behandelt wurden, erinnerte die 75-jährige Münchnerin, die seit Juni 2006 den Zentralrat der Juden in Deutschland leitet, auf beklemmende Weise an selbst Erlebtes. Wie sie bei der anschließenden Podiumsdiskussion berichtete, wurde auch ihre Familie „von heute auf morgen“ wie „Aussätzige“ behandelt, die kein Recht mehr hätten, zu existieren.
„Können Sie vielleicht erklären wie so etwas möglich ist?“, will der Intendant des E.T.A. Hoffmann-Theaters, Rainer Lewandowski, zum Auftakt der Podiumsdiskussion wissen. Charlotte Knobloch antwortet mit leiser Stimme. Die einzige Antwort, die sie auf die Frage geben könne, laute „keine Ahnung“. Der Wandel sei von einem Tag auf den anderen gekommen: „Die selben Menschen, die uns noch gestern gegrüßt haben, haben uns heute nicht mehr gekannt.“ Nachbarn, Geschäftsleute und vermeintliche Freunde seien darunter gewesen. Auch habe die Hausmeisterin auf einmal das Spielen mit jüdischen Kindern verboten, sagte Knobloch.
Nach wie vor komme es darauf an, über das Geschehene aufzuklären und vor Rechtsradikalismus entschlossen zu warnen. Angesichts der Kommunalwahlen am 2. März 2008 sagte die 75-Jährige, dass man rechtsradikalen Ansichten und Parteien, die sich als Biedermänner teilweise hinter einem anderen Listennamen versteckten, mutig entgegen treten müsse. Sollte es insgesamt nicht gelingen, rechten Tendenzen in der Gesellschaft offen und ehrlich entgegenzuwirken, bestehe die Gefahr, dass die bisherigen Bestrebungen verloren gingen. Der Vorsitzende der IKG Bamberg, Heinrich C. Olmer, sagte, man hoffe, mit solchen Diskussionsveranstaltungen Distanz abbauen zu können.
Die Leistung des Theaterensembles beeindruckte Charlotte Knobloch so sehr, dass sie spontan gegenüber Intendant Rainer Lewandowski eine Einladung nach München aussprach. Dort soll die Lesung im Rahmen eines jüdischen Feiertags wiederholt werden.
Im Anschluss an den Besuch der Neuen Synagoge trug sich Knobloch im Alten Rathaus in das Goldene Buch der Stadt ein. Wie Oberbürgermeister Andreas Starke bei dieser Gelegenheit seinem Gast berichtete, ist die jüdische Gemeinde in Bamberg mit rund 900 Mitgliedern die größte in ganz Oberfranken. Mit der 2005 eröffneten Neuen Synagoge sei ein neues Kapitel in der jüdischen Geschichte Bambergs aufgeschlagen worden. Die Gründung des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus sei zudem ein deutliches Signal und ein „Symbol für den guten Willen aller Bamberger und Bambergerinnen, welcher Herkunft und welcher Religion sie auch angehören, friedlich miteinander zu leben.“
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