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Studienfahrt zum Besuch der IKG Bayreuth und der Stadt
Am 18. Oktober 2009 veranstaltete der Seniorenclub mit 50 Gästen der IKG Bamberg eine Studienfahrt zum
Besuch der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth und eine Führung durch Bayreuth.
Nach einer knappen Stunde Fahrt mit einem Bus des Busunternehmens Heinrich Wetz aus Bamberg, empfing uns um 11
Uhr der Vorsitzende der IKG Bayreuth, Felix Gothart, herzlich in der Synagoge des Gemeindezentrums.
Anschließend erhielten wir eine sachkundige Stadtführung durch den Historiker Herrn Ass, der selbst aus Bamberg
stammt. Mit ihm und der von der IKG Bayreuth gestellten Russisch-Übersetzerin wurden uns zuerst die baulichen
Gegebenheiten des Gemeindehauses, welches sich direkt an das alte Theater anschmiegt, nahe gebracht. Dass die
Nazis das Gebäude „nur“ verwüsteten, lag darin, dass das angrenzende alte Theater innen komplett aus Holz
angefertigt ist und bei einem Brand der Synagoge ebenfalls abgebrannt wäre. Daher wurde das Gemeindehaus von
den Nazis innen zwar verwüstet, aber nicht in Brand gesetzt, wie die Synagoge in Bamberg in der
Herzog-Max-Strasse, die als einzige in Oberfranken freistehend war. Alle anderen oberfränkischen jüdischen
Gemeindehäuser wurden geschändet und innen zerstört, aber nicht in Brand gesetzt, um ein Übergreifen der Flammen
auf nichtjüdische Gebäude zu verhindern.
Durch die Fußgängerzone ging es weiter zum Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus von Richard Wagner (1813–1883)
und seiner Frau Cosima Wagner. Das Haus liegt am Rande des Hofgartens. Der Name des Hauses wird durch den Spruch,
der auf der Vorderseite des Hauses eingraviert ist, verständlich: „Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried –
sei dieses Haus von mir benannt.“ (Richard Wagner). Im Haus Wahnfried vollendete er die Oper Götterdämmerung und
arbeitete an der Oper Parsifal. Seit 1976 befindet sich darin das Richard-Wagner-Museum mit einer ständigen Ausstellung über Richard
Wagner und die Bayreuther Festspiele. Richard Wagner war ein Judenfeind und seine romantisierende
Schwärmereien für ein Überlegensein des Germanentums zogen andere Judenfeinde wie Houston Stewart Chamberlain und Hitler
an, die in Bayreuth ein- und ausgingen. Ebenso wie Wagner selbst war auch die Familie nicht als judenfreundlich eingestellt,
so führte Winifred Wagner, eine Duzfreundin Hitlers und Schwiegertochter Richard Wagners und nach dem Tode ihres
Ehemannes Siegfried Wagner Leiterin der Bayreuther Festspiele bis 1944, bereits 1923 Adolf Hitler in das Haus Wahnfried und den Wahnfried-Kreis um Houston Stewart Chamberlain ein. Hitler bewohnte während der Festspiele von 1936 bis 1940 das Siegfried-Wagner-Haus, einen Anbau neben Haus Wahnfried, den Winifred Wagner nach dem Tod ihres Mannes als Gästehaus benutzte.
(Quelle: u.a. www.wikipedia.org).
Anschließend ging die Gruppe durch die Fußgängerzone weiter zum alten Markgrafenschloss, zur ehemaligen
Lateinschule, welche zwischenzeitlich sogar ein Feuerwehrhaus war, wie Herr Ass erklärte, vorbei an der Stadtkirche
zurück zum Sternplatz. Dort wurde uns anhand von alten Fotos erklärt, dass der derzeit schmucklose Betonbau der
heutigen Stadtwerke eine bizarre nationalsozialistiche Verehrungsstätte der „germanischen Mutter“ in der Nazizeit
war, das sogenannte „Haus der deutschen Erziehung“, welches vom nationalsozialistischen Lehrerbund unterhalten
wurde. Mit pseudoreligiöser Begleitung und dem Spiel einer Orgel sollte der „deutschen Mutter“, die von einem
Knaben mit einem Schwert und einem Mädchen sowie einem Kleinkind flankiert wurde, gehuldigt werden. Mit einem
späteres Foto nach der Bombardierung von Bayreuth im April 1945 zeigte Herr Ass den zerstörten „Tempel“. Dem
Architekten bereitete es anscheinend keine Gewissensbisse, dass er dem Nationalsozialismus mit seiner Arbeit
gedient hatte. Sehr bald schon nach 1945 arbeitete er wieder als Architekt in Bayreuth und war ein angesehener Mann der Stadt.
Abschließend besuchten wir noch das neben dem Redoutenhaus, dem alten Theater Bayreuths gelegene Neue Theater
Bayreuth. Die kunstvolle Ausleuchtung des Inneren des Theaters und
eine entsprechende Lichtinstallation mit einem Lichtbildervortrag taten ihr Übriges, um dem Besucher zu zeigen,
dass Bayreuth in der Barockzeit an Kultur mit gossen Städten wie Berlin oder Paris mindestens ebenbürtig war.
Die Markgräfliche Oper von Bayreuth ist eines der spektakulärsten Opernhäuser seiner Zeit, ein Opernhaus, das
noch heute als eines der wenigen original erhaltenen barocken Opernhäuser Europas eine besondere Kostbarkeit
darstellt.
Für den Bau wurden nur hochrangige Künstler verpflichtet: Giuseppe Galli Bibiena lieferte den Entwurf des
Innenraumes, dessen Sohn Carlo leitete die Ausführungen und kreierte dann fast zehn Jahre lang aufwendige
Bühnenbilder. Francesco Bibiena hatte das Wiener Hoftheater entworfen und gilt als der Begründer des
Logentheaters. Die erst 1750 vollendeten Außenfassaden errichtete Joseph Saint-Pierre. Die Baumeister
entsprachen dem ausdrücklichen Wunsch der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, das Entree besonders schlicht
zu halten, um den großartigen Eindruck vom Innenraum ins Grandiose zu steigern.
Der Bau des Opernhauses bricht mit den Vorstellungen seiner Zeit: Um einen glockenförmigen Grundriss erheben sich
drei Logenränge mit geschwungenen Balustraden und umkränzten Säulen, alles in diesem Raum ist überreich
dekoriert. Auf dunklem Blau die reichen goldenen Schnitzereien, die besonders hervortreten, besonders bei
indirekter Beleuchtung. Der von einem großen Baldachin überdachten Hofloge des Fürstenpaares. Über ihr
befindet sich die Widmungsinschrift, mit der Wilhelmine sich mit ihrem Nebennamen benennt und sich damit als
Personifikation der Weisheit darstellt. Um den Bayreuther Adler, der von der übergroßen preußischen Krone fast
erdrückt wird, schweben Genien, überall scheinen Posaunenengel durch den Raum zu fliegen.
Alles scheint in Bewegung zu sein und der Sog der Bühnenperspektive bei Beginn der Aufführung fügt eine weitere
Illusion hinzu. Die Bühne ist 27 Meter tief, sie nimmt den weitaus größten Teil des Opernbaus ein und wirkt durch
den perspektivisch weit hinter die Bühne verlagerten Blickpunkt und die Bemalungen der Seiten- und Schlusskulissen
noch größer.
Die Kosten der Aufführungen wurden bereitwillig getragen, wie zwei Zahlen belegen: Wurden für die Errichtung des
Neuen Schlosses in der Eremitage 14.000 Gulden ausgegeben, so beziffert ein Chronist die Kosten allein für die
Aufführung der Oper L'Huomo« mit 20 000 Gulden. Es war aber auch ein ganz besonderer Anlass, denn am 14.6.1754
nahm ihr Bruder Friedrich, inzwischen König von Preußen (Friedrich II., der Große) an der Aufführung teil.
Aus dem Besucherblatt zur Erklärung des Opernhauses (gekürzt)
Da das Wetter am Sonntag nasskalt war, waren wir dankbar für den warmen und herzlichen Empfang, den uns die IKG
Bayreuth bescherte. Eine Einladung zu einem Mittagessen aus der Gemeindeküche tat ein Übriges. Dass uns der
Vorsitzende der Gemeinde Bayreuth den ganzen Sonntag vor- und Nachmittag widmete, nahmen die Gäste mit großer
Dankbarkeit auf. Anschließend übergaben Frau Gorkurova und Herr Lewin, beide Vorstandsmitglieder der IKG Bamberg,
ein Geschenk der Gemeinde Bamberg, verbunden mit dem Wunsch an die IKG Bayreuth, die Zusammenarbeit beider
oberfränkischer Gemeinden zu vertiefen und einer Gegeneinladung, welches vom Gemeindevorsitzenden mit Dank
erwidert wurde.
Nach dem Essen führte uns der Gemeindevorsitzende zurück in die Synagoge und erläuterte die Pläne der IKG
Bayreuth, angesichts der gestiegenen Mitgliederzahlen, das Gemeindezentrum zu erweitern und vor allem die
Synagoge wieder in ihre Ursprungsgröße wiederherzustellen. Dazu sollen im angrenzenden Anwesen auf der anderen
Straßenseite, Kulturräume, Kidduschsaal, Lehrräume und die Verwaltung untergebracht werden, die Barocksynagoge
aber wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen.
Her Gothart beantwortete auch bereitwillig alle Fragen zum neuen Gemeindezentrum, aber auch zu aktuellen Problemen,
die allen Gemeindemitgliedern, nicht nur in Bayreuth, auf den Fingern brennen.
Nach dem folgenden Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal verabschiedeten wir und gegen 16 Uhr von der Gemeinde
Bayreuth und fuhren, weil das Wetter aufklarte, zur Eremittage zu ausgedehnten Spaziergängen durch den
Schlosspark. Leider konnte man die Eremitage selbst nicht besuchen, weil sie schon auf den Winterbetrieb
umgestellt wurde und geschlossen war.
Auch das anschließend, schon zu beginnender Dämmerung, besuchte Festspielhaus, war geschlossen, man konnte nur
von außen die weit und großzügig angelegten Flächen ansehen. Nachdem schon wieder Regen einsetzte und Wind
aufkam, entschloß man sich, nun doch nach Bamberg zurückzukehren.
Damit ging ein ereignisreicher und schöner Oktobernachmittag zuende.
Nachfolgend können Sie Bilder von der Veranstaltung (Copyright der Bilder bayreuth_2009_4: Ludmilla Goldbaum)
sehen:
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