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Woche der Brüderlichkeit 2011
Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit Franken e. V. - Arbeitskreis Bamberg -
"AUFEINANDER HÖREN - MITEINANDER LEBEN"
Jahresthema 2011
Am Sonntag, den 13. März 2011 fabd von 11 - 13 Uhr eine Führung auf dem Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde, mit
Chasan Arieh Rudolph statt. anschließend führte Frau Dr. Deusel die interessierten Gäste um 15 Uhr durch das Gemeindezentrum.
Anschließend fand um 17.00 Uhr die Interreligiöse Feierstunde in der Synagoge mit verschiedenen Beiträgen von Vertretern der
Religionsgemeinschaften statt. Schirmherr der Woche der Brüderlichkeit war wie immer OB Andreas Starke, der sich durch Stadtrat
Müller vertreten ließ. Die Festansprache hielt Prof. Dr. Schöttler aus Regensburg.
Am Ende der Veranstaltung sprach der Vorsitzende der IKG Bamberg ein Schlußwort, welches Sie hier lesen können:
Eigentlich sollte das diesjährige Motto der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit vielleicht etwas modifiziert werden:
Mir hätte genügt:
einander „zu“ hören und miteinander leben und zwar trotz unterschiedlichster Meinungen, Kulturen und natürlich Religionen. Vielleicht
sollte das „zu“ hören auch noch beinhalten Verständnis mitzubringen für das „Anderssein“ unseres Nachbarn. Ja vielleicht erfahren wir
dann auch durch das „zu“ hören Spannendes, vielleicht sogar Bereicherndes, das unser Leben Reicher und Anregender macht.
Man sollte meinen, dies wäre etwas Selbstverständliches innerhalb einer kultivierten, toleranten Gesellschaft. Doch die tägliche
Erfahrung lehrt uns anderes. Das aufeinander hören, ja selbst das „zu“ hören, klappt schon oft nicht einmal mehr in der eigenen
Familie, unter Kollegen oder im Freundeskreis. Es klappt auch oft noch viel weniger innerhalb der eigenen Religion, sei es nun im
Christentum, Islam oder Judentum innerhalb der unterschiedlichsten Facetten.
Wie viel schwieriger ist es dann innerhalb unterschiedlichster Kulturen, Rassen und Religionen unaufgeregt zuzuhören und gar
zusammenzuleben. Doch wir wollen dennoch, ja wir müssen diese Herausforderung annehmen, denn sie ist Realität in unserem Lande.
Doch trotz allem, meine sehr verehrten Damen und Herren, müssen wir auch Fehlentwicklungen zur Kenntnis nehmen und konsequent
dagegensteuern. So ist es nicht damit getan durch eine leichtfertige Beschwichtigungshaltung Verbrechen nicht mehr beim Namen zu
nennen und etwa Terroristen das Feld zu überlassen, deren Rechtfertigung schlichtweg ausschließlich darauf beruht, alleine die Wahrheit
zu kennen. Hier handelt es sich um Fundamentalismus, der zu Terroraktionen, wie etwa kürzlich am Frankfurter Flughafen, wo zwei
amerikansiche Soldaten getötet wurden oder zur Ermordung des einzigen Christen im pakistanischen Kabinett in Islamabad führt, um
nur zwei Beispiele zu nennen. Dies ist nicht nur aufs schärfste zu verurteilen, ja es mag sogar Situationen geben, in der es unsere
Wertegemeinschaft nicht nur bei einer verbalen Verurteilung belassen kann.
Hemmnisse, die ein „miteinander leben“ erschweren, kommen aber auch – auch wenn es nur wenige sind – von islamistisch geprägten
Parallelgesellschaften mit stark antidemokratischen Haltungen, einer verinnerlichten Frauenfeindschaft, Ehrenmorden und antisemitischen
Haltungen. Um nicht falsch verstanden zu werden, mir ist klar, dass von den über 2000 Moscheegemeinden in Deutschland, sich dieses
Weltbild nur ganz wenige zu eigen machen und auch nicht den moralischen Werten des Islam entspricht. Doch gerade dieser Minderheit
muss klar verdeutlicht werden, dass ein miteinander leben nur dann möglich sein wird, wenn auch diese archaische fundamentalistische
Minderheitenposition nicht mehr existiert und auch sie in der Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhundert eines aufgeklärten Europas
angekommen ist. Dieses falsche Weltbild, das gerade dem Islam in seiner aufgeklärten Form nicht entspricht, ist schädlich für alle
friedfertigen und integrationswilligen Muslime, die schon lange in unserer Gesellschaft angekommen sind, wie sich an zahllosen
Beispielen belegen lässt.
In diesem Zusammenhang erlauben Sie mir noch einen Gedanken zum Wort Integration. Integration heißt nicht die eigene Kultur, Sprache,
Sitten und Gebräuche aufzugeben. Vielmehr bereichert die kulturelle Vielfalt unser Leben. Integration heißt aber und vor allem die Sprache
lernen, das Rechtssystem zu akzeptieren und nicht zuletzt Toleranz gegenüber anderen Mitbürgern mit oder ohne Migrationshintergrund zu üben.
Insofern ist dieses „aufeinander hören“ bzw. „zu“ hören – ich möchte ergänzen ein unaufgeregtes „zu“ hören, verbunden mit viel Toleranz für
den Nachbarn mit und ohne „Migrationshintergrund“ und die Fähigkeit miteinander zu leben, im 21. Jahrhundert mit seinen enormen
Migrationsbewegungen nicht nur eine gewaltige Herausforderung, sondern die Grundvoraussetzung um in unserer gemeinsamen Welt friedlich
zusammenzuleben.
Wir, als Religionsgemeinschaften, ob nun jüdisch, christlich, islamisch, oder anderer Bekenntnisse sind bei der Bewältigung dieser globalen
Aufgabe unauflösbar aber auch schicksalhaft miteinander verbunden. Wir könnten bei deren Bewältigung eine Schlüsselrolle spielen. Klare
Worte unser geistigen Führer werden hierfür nötig sein. Entscheidend wird es jedoch sein, dass jeder einzelne von uns hierbei nicht nur
auf Signale von Obrigkeiten wartet, sondern seinen ganz persönlichen Beitrag dazu leistet und in seinem täglichen Umfeld, dieses
„aufeinander hören“ und „gemeinsam leben“
praktiziert, wie es etwa bei der heutigen Veranstaltung möglich ist.
Um diesen Gedanken zu vertiefen, lade ich Sie alle herzlich nach unserem Schlussgesang zu einem Empfang und Gedankenaustausch
in unserem Gemeindesaal ein.
Am 14. März um 19 Uhr fand eine Podiumsdiskussion im Jüdischen Lehrhaus Bet Midrasch Bamberg mit dem Thema "Geschwisterlich verbunden?" statt.
Leiter und Moderator war Pfr. Matthias Wünsche, St. Josef in Gaustadt. Die Podiumsmitglieder waren Dr. Heinrich Olmer, Vorsitzender der
IKG Bamberg und Hausherr, Barbara Eberhardt, ev. Theologin aus Nürnberg und Pfr. Matthias Wünsche.
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